Aufbau und Konzept einer strategischen Partnerschaft

 



 

 




Was waren die ursprünglichen Beweggründe, eine strategische Partnerschaft zwischen Brasilien und Deutschland zu initiieren und welche Kriterien waren bei der Auswahl der passenden Partner ausschlaggebend?

Overbeck Ausgangspunkt für uns war die immer stärkere internationale Relevanz der Fahrzeugsicherheitsthemen, nicht zuletzt auch in Kombination mit unserem Forschungsbau CARISSMA an der THI. Dass wir dann genau Brasilien ausgewählt haben, war zum einen der Tatsache geschuldet, dass die Wissenschaftler, insbesondere die Professorenkollegen Brandmeier und Facchi, bereits persönliche Verb indungen zu deutsch-brasilianischen Unternehmen sowie dort ansässigen Forschungsinstituten hatten. Zum anderen hatte ich selbst während meiner Studienzeit in den an den Bundesstaat São Paulo angrenzenden bzw. ebenfalls in Südbrasilien liegenden Bundesstaaten Paraná und Santa Catarina Kurse belegt bzw. Praktika in deutsch-brasilianischen Unternehmen, insbesondere in der Auslandshandelskammer São Paulo, absolviert. Gemeinsam hatten wir dann eine Reise in die genannten drei Bundesstaaten mit einem entsprechend dichten Besuchsprogramm unternommen. Unser Präsident Professor Schober hat diese Aktivitäten sehr unterstützt und aktiv mit begleitet, indem er noch im gleichen Jahr vor Ort entsprechende Kooperationen angestoßen hat. In diesem Kontext war auch er derjenige, der anregte, den Antrag in der DAAD-Förderlinie „Strategische Partnerschaften und Thematische Netzwerke“ zu stellen. Die Partnerwahl hat sich dann fast von selbst ergeben, wobei sich erst im Projektverlauf herausstellt, mit wem man langfristig zusammenarbeiten kann. So ist es auch bei AWARE: Kernpartner verbleiben im Projekt, der eine oder andere Partner scheidet aus, neue kommen hinzu.

Zimmer Den ersten Schritt machte die THI, als sie uns 2009 zum ersten Mal einen Besuch abstattete. Während des Delegationsbesuchs wurden vielseitige gemeinsame Schnittmengen eruiert und so folgte bald darauf eine Delegationsreise von einigen interessierten Professoren der UFPR nach Ingolstadt. Damals arbeitete meine Fakultät, die Fakultät für Elektrotechnik, zwar kaum an Automotive-Themen, aber wir erkannten den Besuch aus Ingolstadt sogleich als große Chance, gemeinsam an elektrotechnischen Projekten zu arbeiten, wie z. B. die Signalverarbeitung, Batterien, etc. Da es u. a. die mechatronischen Themen erforderten, luden wir alsbald die Fakultät Maschinenbau der UFPR ein, sich der Kooperation anzuschließen, was unsere Kooperation rückblickend deutlich bereicherte und an unserer Universität bislang gewissermaßen neu war, da die Fakultäten gewöhnlich unter sich bleiben. Und so wurde das Netzwerk projektbedingt laufend um weitere Netzwerkpartner und -unterstützer erweitert, wie z. B. um das Forschungsinstitut Lactec, ein langjähriger Partner der UFPR, sowie mithilfe des Staatsministers für Infrastruktur und Logistik um weitere Akteure des Bundesstaates Paraná, wie der Forschungsstiftung Fundação Araucária, dem Ministerium für Wissenschaft und Technologie sowie der Verkehrspolizei. Ganz besonders möchte ich auch die uneingeschränkte Unterstützung unserer Hochschulleitung hervorheben, also unseres Rektors sowie der jeweiligen Dekane der Fakultäten und dem Technologiedirektor der UFPR. Rückblickend muss man sagen, dass die Kooperation eigentlich nicht zu einem besseren Moment hätte initiiert werden können: Unser erster Automotive-Studiengang befand sich gerade in der Entstehung und so förderte AWARE gleichzeitig den Aufbau langanhaltender, bilateraler Beziehungen zwischen Professoren, Studierenden und sogar dem jeweiligen Verwaltungspersonal.

Dias Genau, ganz ähnlich ging es auch uns. Unser Mobilitätszentrum wurde 2009 in Joinville, Santa  Catarina, mit den folgenden, explizit auf Ingenieurwissenschaften ausgerichteten Studiengängen, gegründet: Automotive, Schiffbau, Luft- und Raumfahrttechnik, Bauingenieurwesen, Schienenfahrzeugtechnik, Mechatronik, Transport und Logistik. Der neue Campus der UFSC soll perspektivisch das landesweite Zentrum für Mobilitätstechnologien in Brasilien werden. Als die THI uns kontaktierte, war ich gerade Direktor dieses UFSC-Standorts und wir haben glücklicherweise sofort die einmalige Gelegenheit für die Studierenden und Professoren in Joinville und Ingolstadt erkannt, eine intensive Partnerschaft zu initiieren.

Wurde die Partnerschaft tendenziell eher von Seiten der Hochschulleitung (also top-down) oder auf Initiative der Professoren (bottom-up) umgesetzt?

Overbeck Die Hochschulleitung schafft den Rahmen für solche Projekte, unterstützt und flankiert wie gerade ausgeführt. Die Forschungsinhalte müssen freilich von den einzelnen Professoren und Wissenschaftlern getragen werden. Und um ein Forschungsnetzwerk wie AWARE ins Leben zu rufen, bedarf es immer einer kritischen Masse an „Anstiftern“ und „Mittätern“ – nicht nur bei uns an der THI, sondern genauso in den Partnereinrichtungen. Die Herausforderung bzw. Kunst besteht also vielmehr darin, genau die richtigen Partner zusammenzubringen. Um damit zur eigentlichen Frage zurückzukommen: Ich denke, dass Top-down- oder Bottom-up-Ansätze sicherlich interessant klingen. Im Kontext eines komplexen Netzwerks wie AWARE, das unterschiedlichste, nach jeweils eigenen nationalen, kulturellen und institutionellen Werten handelnde Partner in sich vereinigt, greifen sie meiner Meinung nach eindeutig zu kurz. 

Zimmer Der Aufbau des Netzwerks basierte am Anfang in erster Linie auf der Neugierde und Offenheit von Seiten unserer Professoren für Automotive-Themen sowie für die Interdisziplinarität, die diese mit sich bringen. Als wir im Professorenkollegium die Möglichkeit und zugleich die damit verbundenen Chancen – nicht nur für die Wissenschaft, sondern auch für die Gesellschaft – einer Kooperation mit Ingolstadt vorstellten, luden wir Professoren der verschiedensten Fachrichtungen ein. Und mit jedem neuen Besuch aus Ingolstadt wurden neue Veranstaltungen und Sitzungen organisiert, um AWARE möglichst breit in die Fakultäten zu tragen. Neben diesen vielen Einzelinitiativen von Professoren, was wiederum zahlreiche interessierte Studierende mit sich brachte, also einer klaren Bottom-u pAnnäherung, wurde aber die Bedeutung und das Potenzial dieser angehenden Partnerschaft sehr schnell auch von sämtlichen Instanzen auf Ebene der Hochschulleitung erkannt und entsprechend unterstützt. Eine Kooperation dieser Dimension kann in der Realität gar nicht ausschließlich von einer Richtung ausgehen, sondern resultiert aus einem Ineinandergreifen beider Kräfte. Es braucht also neben den enthusiastischen Wissenschaftlern unbedingt immer auch das Verständnis und die Unterstützung der Hochschulleitung, um damit Erfolg zu haben. Glücklicherweise war das im Falle von AWARE voll gegeben. Hinzu kommt, dass wir gegenüber vieler anderer Hochschulpartnerschaften den Vorteil haben, dass an der THI sehr stark anwendungsbezogen geforscht und gelehrt wird, was bei uns in Brasilien derzeit massiv nachgefragt wird. Umgekehrt haben die brasilianischen Partner eine breitere Fächerpalette anzubieten und forschen stärker an den Grundlagen, was wiederum für die THI interessant ist. So konnten wir den THI-Wissenschaftlern interessante Komplementärpartner z. B. aus der Verkehrspsychologie oder Schwingungsmechanik bieten, die sich synergetisch mit den CARISSMA-Kompetenzen im Bereich Automotive und insbesondere Fahrzeugsicherheit ideal ergänzen. AWARE ist aus meiner Sicht also eine Win-win-Situation in gleich zweierlei Hinsicht: Zum einen aus Sicht unserer fachlich komplementären Kompetenzen, zum anderen als Internationalisierungsmotor für alle beteiligten Hochschulen.

Dias Auch in unserem Falle wurde die Partnerschaft von beiden Richtungen angetrieben. Zum einen wird das Thema Internationalisierung in unserer Hochschulstrategie derzeit priorisiert und auch unsere Professoren stehen hinter dieser Politik. Der Erstkontakt aber lief über Prof. Dr. Rodrigo de Souza Vieira von unserer Maschinenbaufakultät, der den Kollegen aus Ingolstadt als Erster die Türen der UFSC öffnete und unsere Institution und unsere Labore vorstellte. Dann wurde der gemeinsame Plan einer strategischen Partnerschaft den frisch unter Vertrag genommenen, jungen und motivierten Professoren in Joinville vorgestellt und sofort von allen Seiten begrüßt. Hinzu kam, dass sich zu diesem Zeitpunkt gerade viele große Unternehmen aus der Automobilbranche – Fahrzeughersteller als auch -zulieferer – wie z. B. BMW oder General Motors, in Joinville niederließen. Dies steigerte schließlich die Attraktivität unseres Standorts für die Partner aus Ingolstadt, eine internationale, strategische Partnerschaft mit uns zu schließen, um gemeinsam an technologischen und andwendungsnahen Lösungen und Innovationen zu arbeiten.

Welche sind die Erfolgsfaktoren für eine erfolgreiche  Umsetzung einer strategischen Partnerschaft?

Lohmeier Das interkulturelle Verständnis der Koordinatoren für die Partnerhochschulen und ihre Länder ist absolute Voraussetzung für die vertrauensvolle Zusammenarbeit und vermeidet Missverständnisse in der Kommunikation. Die Koordinatoren erfüllen hierbei eine wichtige Rolle und sollten in beiden Kulturen zuhause sein; der Koordinator muss motivierend auftreten und sollte die Erfolge im Projekt möglichst über Pressemeldungen etc. teilen, um weitere Kollegen zum Mitmachen zu motivieren. Auch die Kommunikation mit den Partnern ist bei diesen Distanzen von großer Bedeutung: Hierbei muss man herausfinden, welche Mischung aus Online- und Offline-Instrumenten am effektivsten ist. Darüber hinaus sollte das Team gewisse Flexibilität und Anpassungsvermögen mitbringen, um auf die sich schnell ändernde Umwelt entsprechend zu reagieren und Ziele anpassen zu können. So konnten wir im ersten Jahr noch nicht genug Studierende für ein Aufenthaltssemester gewinnen, weil in Brasilien noch keine englischsprachigen Lehrveranstaltungen angeboten wurden; alternativ haben wir das Elektromobilitätsforum gegründet, wodurch dann gleich im ersten Projektjahr umso mehr Studierende am direkten Austausch teilnehmen konnten.

Dias Wir Professoren haben viele Verantwortlichkeiten und Aufgaben im Alltag, die uns die Projekte mit den internationalen Partnern leider regelmäßig vergessen lassen. Deshalb ist die Motivation, Vernetzung und Einsatzbereitschaft der Koordinatoren so zentral. Es braucht also neben den wichtigen persönlichen Treffen, die die Motivation und die Faszination der gemeinsamen Projekte regelmäßig „auffrischt“,  auch immer einen Koordinator, der an die Partnerschaft und die angenommene Verantwortung erinnert. Doch das ist auch wieder nur die halbe Miete. Solange die Koordinatoren nicht auf der anderen Seite auf engagierte und weltoffene Wissenschaftler und Mitarbeiter treffen, steht der Erfolg eines Netzwerkprojekts wie AWARE in Frage. Es liegt also auch ganz stark an der grundsätzlichen Bereitschaft der Wissenschaftler, sich an einer internationalen Partnerschaft zu beteiligen. Und hier kann und sollte natürlich auch die Hochschulleitung ansetzen.

Was sind aktuell die größten Herausforderungen und  Lessons learnt im Projekt?

Lohmeier Teilweise legt uns die Bürokratie sowohl in Deutschland als auch in Brasilien große Steine in den Weg. Außerdem bedarf es oftmals sehr viel Überzeugungsarbeit bei den eigenen Kollegen und den Partnern bzw. ist es nicht immer einfach ein nachhaltiges Interesse zu erzeugen: Brasilien ist ein von Anfang an faszinierendes Land in seiner Andersartigkeit wie auch Ähnlichkeit zu unserem Kulturraum. Es ist also anfangs nicht schwer, die eigenen Kollegen für die Teilnahme am Austausch zu begeistern. Viel herausfordernder ist es aber, Kollegen zu finden, die für sich interessante fachliche Partnerschaften aufbauen und somit nachhaltig in der Kooperation engagiert bleiben. Darüber hinaus ist die Automobil-Branche, in der unsere Unternehmenspartner größtenteils agieren, extremen wirtschaftlichen Schwankungen unterworfen. Die größte Herausforderung für uns ist aber derzeit, AWARE bis Ende 2018 auf eigene, solide Beine zu stellen. Was wir mit der Zeit lernten war, dass man viel Zeit, Energie und Kapazitäten in Networking und Bildung von Synergien investieren muss. So lernen wir momentan mit unseren ersten Doppelabschluss-Kandidaten, dass es vor allem in der Lehre eine große Herausforderung ist, den anwendungsorientierten Ansatz mit dem der Grundlagenforschung zu vereinbaren. Wenn es klappt, entsteht ein einzigartiger Mehrwert für beide Seiten. Aber bis es dazu kommt braucht es viel Geduld und Kompromissbereitschaft bei den Wissenschaftlern. Das Positive daran: Angesichts diverser Systemunterschiede sowie schwellenland- und automobilbranchen-üblichen Turbulenzen lernt das Projektteam mit erhöhter Kompromissbereitschaft und flexiblen Lösungsansätzen die Projektziele dennoch umzusetzen. Auf bürokratischer Ebene ist diese Kompromissbereitschaft ebenfalls gefragt. Andererseits übertrafen das in Schwellenländern typisch hohe Entwicklungspotenzial, die starke Nachfrage nach Mobilitätstechnologien und -lösungen sowie die Dynamik bei der Einführung neuer Prozesse, weit unsere Erwartungen.

Dias Wir kämpfen in Brasilien teilweise noch mit einer gewissen politischen und wirtschaftlichen Instabilität. Unsere Hochschulkooperation AWARE ist in ihrer Anwendungsorientierung und Industrienähe in Brasilien noch relativ neu, was einerseits eine Herausforderung darstellt – denn wir müssen zu Beginn bei der Kontaktaufnahme mit Industrieunternehmen stets Überzeugungsarbeit leisten – andererseits ist das gleichzeitig eine große Chance für uns, da wir bei den Förderinstitutionen aufgrund unserer Neuartigkeit und des in Brasilien erkannten Bedarfs an Anwendungsorientierung der Wissenschaft auf eine hohe Förderbereitschaft stoßen. Eine weitere Herausforderung sind unsere brasilianischen Universitäten, die noch nicht ausreichend international aufgestellt sind, was sich etwa in dem geringen Lehrangebot auf Englisch widerspiegelt. Folglich müssen wir unserem Lehrpersonal und den Fachabteilungen entsprechende Anreize bieten, um sie für die internationale Lehre und Forschung zu motivieren. Wir haben außerdem gelernt, dass es eine gewisse Zeit dauert, bis sich die Forscher ausreichend kennengelernt haben, um vertrauensvoll miteinander zu arbeiten und bis sie die kritische Masse erreicht haben, um sich gemeinsam für Förderprogramme stark zu machen und gemeinsame Publikationen einzureichen. Ich möchte daran erinnern, dass unsere Professoren in Joinville teilweise noch relativ jung und unerfahren sind was internationale Kooperationen angeht und der Respekt vor den deutschen Hochschulprofessoren immens groß ist. Ebenso groß ist aber auch ihr Bedarf an Austausch in Lehrmethoden, Forschungsansätzen und Laborausstattungen sowie an nachhaltigen Kooperationen, gerade mit dem Technologiestandort Deutschland. Unsere Lesson learnt im positiven Sinne: In Brasilien wird man sich aktuell bewusst, dass es dort an Förderungen von anwendungsorientierten Projekten bzw. generell an Kooperationen zwischen Hochschulen und Unternehmen fehlt. Mit anderen Worten werden in der Zukunft Förderprogramme nötig, deren Förderzeitraum es nicht nur erlaubt, gemeinsame Forschung zu betreiben, sondern die Ergebnisse auch in einen gewissen Mehrwert für die Gesellschaft zu übertragen. Unsere angewandten Doppelabschlüsse zum Beispiel tragen einen bedeutenden Mehrwert für unsere Wissenschaftler und brasilianischen Institutionen bei, was glücklicherweise so auch bei den Forschungsstiftungen Fundação Araucária (Bundesstaat Paraná) und FAPESC (Santa Catarina) erkannt wurde. Deshalb freuen wir uns momentan besonders über ihre hohe Förderbereitschaft.

Wie kann es gelingen, die Verstetigung der Maßnahmen im Projektalltag nicht aus den Augen zu verlieren?

Lohmeier Wir mussten allen Beteiligten von Anfang an klar machen, dass die DAAD-Förderung nur temporärer Art ist. Auf diese Weise nutzten wir die bereits zu Beginn entstehenden Dynamiken, um die Zusammenarbeit durch viele Ebenen der Universitäten hindurch auf lange Sicht zu festigen. Und hier kommt eine gewisse kritische Selbstreflexion ins Spiel. Es ist sehr hilfreich, etwa in der Mitte des Projektes über ein Review-Workshop die anfangs anvisierten Ziele mit den bisherigen Ergebnissen zu vergleichen und bei Bedarf entsprechend anzupassen. Mit dem Elektromobilitätsforum Ingolstadt – Brasilien sind wir zum Beispiel erfolgreicher als vermutet und bereits jetzt über unsere Ziele hinausgeschossen. Denn auf dem Forum hat der Austausch schließlich eine Gruppe Studierender dazu motiviert, ein Start-up Unternehmen zu gründen. Über das Selbstmonitoring wurde dieser Erfolg erst richtig sichtbar und so konnten wir uns frühzeitig darum bemühen, den effektiven Austausch im Forum perspektivisch in das Format einer Sommerschule umzuwandeln, um längerfristig höhere Förderchancen zu haben. 

Dias Das Fortbestehen eines Projekts hängt zum einen von der jeweiligen Vision, Mission und von den Werten innerhalb des Projektvorhabens ab, zum anderen davon, inwieweit sich alle Beteiligten dem Projekt verbunden fühlen. Aus brasilianischer Sicht ist AWARE ein wichtiger Baustein, was die Vision der brasilianischen Universitäten angeht, ihr Profil zu internationalisieren. Die Mission von AWARE besteht darin, den fachlichen und praktischen Austausch zwischen Professoren, Wissenschaftlern, Studierenden und Verwaltungspersonal aus beiden Ländern anzuregen. Dieser ist bereits über gemeinsame Forschungsprojekte, Sommerschulen, Mobilitätsprogramme, Fachtagungen und -publikationen gewährleistet. Unsere gemeinsamen Werte, die sich in unserer wissenschaftlichen und technischen Fachkompetenz, in unserem Miteinander und nicht zuletzt darin manifestieren, wie wir unser Knowhow in die Gesellschaft und in die jeweilige Unternehmenskultur unserer Institutionen tragen, sind ebenfalls vorhanden. Nun müssen wir meiner Meinung nach dauerhafte – öffentliche wie private – Finanzierungsquellen schaffen, die den Fortgang unserer gemeinsamen Aktivitäten sicherstellen. Ideal wäre eine politisch unabhängige Förderung, also beispielsweise das Kommitment der deutschen und brasilianischen Industrie, unsere Doppelabschlüsse über Stipendien zu fördern und somit in die Ausbildung ihres späteren Ingenieurnachwuchses zu investieren. Dabei liegt es an uns und unserer Abstimmung mit den politischen Akteuren beider Länder, einen bürokratisch umsetzbaren, rechtlich legalen Rahmen für diese Art von Förderungen zu schaffen.

(Die Fragen stellte Stefanie Sauerbrey)