Über die deutsch-brasilianische Beziehungen

Historisches Gebäude der UFPR

 

 

 

 

 

 

 


Die Anfänge der deutsch-brasilianischen Beziehungen lassen sich bis in das Zeitalter der Renaissance zurückverfolgen, als erste Kaufleute und Söldner die damaligen spanischen und portugiesischen Kolonien bereisen. Eine flächendeckende Besiedelung lässt noch mehrere hundert Jahre auf sich warten, als Spanier und Portugiesen im ausgehenden 15. Jahrhundert die Terra Incognita, die zuentdeckende Welt, in zwei Einflusssphären aufteilen: Afrika, Asien und das spätere Brasilien werden Portugal zugesprochen, der Rest Südamerikas den Spaniern. Im April 1500 landet die portugiesische Indienflotte unter Pedro Alvares Cabral nahe dem heutigen Porto Seguro in Brasilien. Man will auf dem Weg nach Indien Versorgungsposten an der brasilianischen Küste anlegen. Außerdem lenkt das rote Brasilholz die Aufmerksamkeit der Portugiesen auf die neue Kolonie. Rot wie die Glut leuchtet das Holz,mit dem sich Stoffe färben lassen und das zudem bestens für den Schiffsbau geeignet ist. „Brasa“ ist imPortugiesischen die Glut, „Lenha“ das Holz, und so entwickelt sich für die Menschen, die mit demtropischen Holz handeln, der Name „Brasilenho“: Brasilianer. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts entdeckt man weiter südlich, in Minas Gerais, zuerst Gold und dann Diamanten. So verlagert sich das Zentrum der Kolonie nach Südosten. Von dort aus transportieren die portugiesischen Galeonen die enormen Reichtümer in die Alte Welt, von der sich wiederum Landsknechte und Konquistadoren wie der in Straubing geborene Ulrich Schmidl oder der Unterfranke Philipp von Hutten nach Amerika aufmachen.Letzterer nimmt an mehreren Expeditionen in das Landesinnere Venezuelas teil, wo das Augsburger Handelshaus der Welser die Siedlungen Neu-Augsburg und Neu-Nürnberg gründet.

Erst mit dem Zeitalter des Império, des brasilianischen Kaiserreichs, beginnt eine zahlenmäßig erhebliche Einwanderung aus dem damals krisengeschüttelten Europa. Auf die Verwüstungen durch die napoleonischen Kriege, dann nach der gescheiterten Märzrevolution des Jahres 1848 und später durch die Industrielle Revolution folgen Hungersnöte und große politische Umwälzungen, in deren Folge sich Zehntausende von Deutschland abwenden. Befördert wird diese Einwanderungsbewegung durch die um 1820 einsetzende systematische Anwerbung deutscher sowie weiterer Kolonisten aus Europa durch das brasilianische Kaiserreich, in dem insbesondere Agraroligarchien bzw. Plantagenbesitzer bestimmenden Einfluss ausüben. Auch bezüglich seiner dynastischen Politik bleibt Brasilien zu dieser Zeit der Alten Welt verbunden. So heiratet die bayerische Prinzessin Amelie von Leuchtenberg den brasilianischen Kaiser Dom Pedro I. Um 1900 ist der Zenit der deutschen Einwanderung überschritten.Die Kolonisten bleiben weiterhin stark der Landwirtschaft sowie dem Handel verbunden. Im Jahre 1905 soll es in São Paulo bereits an die 300 Gewerbebetriebe mit deutschem Namen gegeben haben.Davon zeugt auch die ebenfalls in diese Zeit fallende Gründung der dortigen deutsch-brasilianischen Industrie- und Handelskammer.

Die fünfziger und sechziger Jahre stehen für eine starke Industrialisierung. Präsident Juscelino Kubitschekmöchte Brasilien „in fünf Jahren um 50 Jahre nach vorne bringen“ („50 anos em cinco“). Für den Aufbruch in dieses Zeitalter steht auch die neue Hauptstadt Brasilia im geographischen Mittelpunkt desLandes, die der deutschstämmige Architekt Oscar Niemeyer in Form eines Flugzeugs anlegt. In denfolgenden Jahren siedeln sich insbesondere im Großraum São Paulo deutsche Unternehmen an. Heutegilt die Metropolregion als weltweit bedeutendster Standort für deutsche Unternehmen – etwa 1.200 finden sich dort.

Neben dem Agrar- und dem Industriesektor nimmt Brasilien eine immer stärkere Rolle im Bildungs bzw. Universitätsbereich ein, etwa über die vielen bundes- und landesstaatlichen Universitäten. Mit Deutschland floriert die wissenschaftliche Zusammenarbeit, genannt seien exemplarisch das Baden-Württembergische Brasilien-Zentrum der Universität Tübingen, das Brasilienzentrum der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster sowie das Deutsche Wissenschafts- und Innovationshaus São Paulo und das brasilianische Stipendienprogramm „Wissenschaft ohne Grenzen“. An diese Aktivitäten knüpft das Projekt AWARE der Technischen Hochschule Ingolstadt an, das uns über die vom DAAD initiierte Förderlinie „Strategische Partnerschaften und Thematische Netzwerke“ als deutschlandweit erste Hochschule für angewandte Wissenschaften ebenfalls den Aufbau nachhaltiger deutsch-brasilianischer Strukturen ermöglicht.