Viva Brazil

Mich reizte die Idee für ein Praktikum ins Ausland zu gehen. Anfangs hatte ich kein spezielles Land als Ziel auserkoren. Erst nach Gesprächen mit Freunden an der THI, die bereits im Ausland waren, kam ich auf die Idee nach Brasilien zu gehen. Ich bewarb mich für die beiden Partneruniversitäten der THI in Curitiba und Florianópolis. Die Universidade Federal do Paraná (UFPR) in Curitiba akzeptierte meine Bewerbung und hatte eine freie Praktikantenstelle an dem Forschungsinstitut LACTEC welches sich auf dem Universitätsgelände Centro Politécnico befindet.

Bürokratie in Brasilien 

Meine portugiesischen Kenntnisse waren anfangs sehr beschränkt und ich konnte gerade einmal „Hallo“ sagen und mich vorstellen. Daher war es sehr hilfreich das ich von der UFPR einen Buddy vermittelt bekommen habe. Dieser half mir mit allen organisatorischen Angelegenheiten in der Anfangszeit (RNE, Bankkonto, Handyvertrag usw.). Trotz dessen muss man einiges an Geduld mitbringen bis man alle Dokumenten beisammen hat. Alles in allem dauerte es ca. 2 Monate bis alles Organisatorische geregelt war. Also die Devise ist „Tranquilo“! Was sehr zu empfehlen ist, ist sich gleich mit dem Visum welches man in Deutschland beantragt eine CPF Nummer geben zu lassen. Diese Nummer braucht man für jede Kleinigkeit, ohne geht gar nichts!

Arbeit am LACTEC 

Meine Arbeit am LACTEC, welches sich auf dem Gelände der UFPR befindet, beschäftigte sich mit der Messung von Batterien. Dabei wurden Bleisäurebatterien auf ihr Impedanz Verhalten bei unterschiedlichen Alterungszuständen und Ladezuständen gemessen. Dies wurde mit der Elektrochemischen Impedanz Spektroskopie durchgeführt und die unterschiedlichen Alterungszustände wurden künstlich erreicht durch konstantes Überladen bei erhöhter Temperatur. Meine Aufgaben umfassten ebenso die Verwaltung der Messdaten sowie das übersichtliche Präsentieren. Dabei entwickelte ich ein Excel Makro welches die Aufnahme der Daten in ein Excel Dokument erheblich vereinfacht und somit die Verarbeitung mit MATLAB ermöglicht. Zusätzlich entwickelte ich ein Skript in MATLAB welches einheitliche und aufgeräumte Plots der Daten erstellt.

Leben in Curitiba 

Curitiba ist für deutsche Verhältnisse eine große Metropole und man kann die Stadt ein bisschen mit Berlin vergleichen. Es gibt sehr viele Parks welche einen Besuch wert sind vor allem der Parque Barigui. Dort kann man Capybaras finden (übergroße Meerschweinchen). Dafür gibt es einen Touristen Bus welcher an allen Sehenswürdigkeiten und großen Parks hält. Allgemein ist das Busnetz in Curitiba sehr gut ausgebaut und eines der besten in ganz Brasilien. Da für mich die Möglichkeit bestand ein Busticket zu erstehen, welches monatlich mit einem gewissen Betrag von LACTEC geladen wurde, war der Bus eines der bevorzugten Verkehrsmittel. Was man auf gar keinen Fall verpassen sollte, ist das brasilianische BBQ. Serviert wird es traditionell in Churrascarias welche eine große Auswahl von Fleisch anbieten. Dabei handelt es sich immer „all you can eat“. Danach braucht man sich in der Regel also nichts mehr vornehmen! Das Nachtleben in Curitiba findet hauptsächlich in den Bezirken Batel und Sao Fransisco statt. Dort gibt es Straßen mit vielen Bars und Clubs zum Ausgehen. 

Ich mietete bereits von Deutschland aus eine Wohnung in einem Haus in der Nähe des Centro Politécnico, im Bezirk Jardim das Américas. Dabei half mir ebenfalls mein Buddy der UFPR. Dieses Haus beherbergt 28 Studenten, die hauptsächlich Brasilianer sind. Darunter befanden sich aber auch eine Menge Austauschstudenten. Von den Bewohnern im Haus wurde ich herzlich empfangen und sie halfen mir anfangs mich in der Gegend zurecht zu finden. Später entwickelten sich daraus sehr gute Freundschaften, welche noch immer bestand haben. Es gab auch eine Organisation (REI Curitiba auf Facebook) welche sich um Austauschstudenten in Curitiba kümmert und diesen bei Fragen weiterhilft. Zudem veranstaltete diese Gruppe viele Events, über das ganze Semester verteilt bei denen man die Möglichkeit hatte neue Kontakte mit Leuten aus der ganzen Welt zu knüpfen.  

Kleiner Tipp noch am Rande, wenn euch erzählt wird das es kalt wird in Curitiba – glaubt es ruhig. Gerade im Juni und Juli kann es nachts an die 0° bekommen und tagsüber nur um die 10°. Daher entweder in unserem Wintersemester hingehen oder warme Klamotten mitnehmen! 

Reisen in Brasilien 

An den Wochenenden kann man von Curitiba aus viele Ziele ansteuern. Darunter sind Highlights wie Rio de Janeiro (ein verlängertes Wochenende ist empfehlenswert), Foz do Iguacu (riesige Wasserfälle) und Ilha do Mel (eine idyllische Insel an der Küste Paranás).  Mit dem Nachtbus kommt man überall hin und das auf komfortable weise, da Liegesitze verbaut sind. Allerdings übertreiben es die meisten Busunternehmen ein bisschen mit der Klimaanlage. Ein Auto kann man ebenfalls mieten. Wenn man zu mehreren ist rentiert es sich manchmal gegenüber den Nachtbussen (welche an sich sehr günstig sind), vor allem wenn man am Zielort mobil sein muss. Wenn man einen Ausflug in den Norden Brasiliens unternehmen will empfiehlt es sich allerdings einen Flug zu nehmen. 

Da ich am Ende meines Praktikums (Anfang Juli) noch eine Menge Zeit hatte bis zum neuen Semester in Deutschland, konnte ich noch mehr Zeit im Nordosten und Norden Brasiliens verbringen. Höhepunkte sind hier Chapada Diamantina (eine alte Bergbauregion mit vielen Tafelbergen und Dschungel – gut zum Wandern), Jericoacoara (ein Paradies mit wunderschönen Stränden und Lagunen in Dünen versteckt), Lencois Maranhenses (die einzige Sandwüste Brasiliens – gut für Tagesausflüge zu Lagunen und Touren mit dem Quad) und natürlich Manaus und der Amazonas Dschungel. Hier kann man Ausflüge unternehmen bei denen man mehrere Tage außerhalb von Manaus im Dschungel verbringt, sehr empfehlenswert, wenn man Zeit hat 

Abschließend 

Allgemein kann ich jedem, der die Möglichkeit hat, nur empfehlen für ein Studien - oder Praxissemester ins Ausland zu gehen. Neben der beruflichen Erfahrung kann man hier sehr viel über andere Kulturen lernen, neue Freundschaften auf der ganzen Welt schließen und natürlich sehr viel über sich selbst lernen. So eine Erfahrung und all ihre Eindrücke begleiten einen ein Leben lang. 

Vielen Dank an das Aware Team, welches mir dieses Erlebnis ermöglicht hat!

 

Lukas Welz 

Bachelor of Engineering Mechatronic