Andressa Ruviaro Almeida, Elektrotechnik-Studentin

Wie gefällt dir Deutschland und welche Erfahrungen hast du durch AWARE gemacht?

Großartig – sowohl das Studium, als auch meine persönlichen Erfahrungen.  Persönlich bin ich gereift. Auf mein Studium bezogen konnte ich Kurse wählen, die mich interessierten und mein Wissen erweitert haben.  Das Forschungs- und Testzentrum CARISSMA  (Center of Automotive Research on Integrated Safety Systems and Measurement Area) bot oft Vorlesungen rund um das Thema Automotive an. Ich hatte auch die Möglichkeit, einige Projekte aus Prof. Thomas Brandmeier’s Team kennen zu lernen, welche großartig und hoch technologisch sind.  Projekte, in die die Industrie investiert – etwas, was als Beispiel dienen kann und man in Brasilien auch etablieren könnte. Leider konnte ich dem Team nichts beisteuern, da ich zu geringes technisches Wissen habe. Trotzdem bietet die Technische Hochschule Ingolstadt (THI) ihren Studenten viele Möglichkeiten, wenn diese wollen. Prof. Ulrich Schmidt zum Beispiel hat mir angeboten, in zusätzlichen Unterrichtsstunden mehr über den Roboter NAO Aldebaran zu lernen. 

Was sind deiner Meinung nach die größten Unterschiede zwischen deiner Heimatstadt Curitiba und Ingolstadt?
Der größte Unterschied überhaupt ist die Größe der Stadt. Curitiba ist die Hauptstadt des Bundeslandes Paraná und hat ungefähr 1.864.000 Einwohner auf 435 km² Fläche. Ingolstadt hingegen hat ca. 130.000 Einwohner und nur 133 km² Fläche. Auch wenn die Geschäfte schon um 20h schließen, hat die Stadt sehr schöne historische Plätze und Veranstaltungen zu bieten, die sich über das Jahr und die ganze Stadt hinweg verteilen und sie interessanter machen. In Ingolstadt können die Meisten ein bisschen Englisch sprechen, was für Austauschstudenten sowie Touristen sehr nützlich ist. In Curitiba ist es sehr viel schwieriger, jemanden zu finden, der flüssig Fremdsprachen spricht. Aber was mich besonders fasziniert hat, ist die Bildung der Deutschen. Außerdem sind alle sehr freundlich und hilfsbereit. Das Gleiche gilt auch für Brasilien, allerdings kann man dort einfacher Freundschaften knüpfen, als in Deutschland. Ich finde, die Bildung spiegelt sich auch darin, wie mit der Stadt umgegangen wird: sie ist immer geschmückt, sauber und gepflegt. Aber auch Curitiba gilt in dieser Hinsicht als die ökologische Hauptstadt Brasiliens. Die städtische Infrastruktur ist ebenso bemerkenswert. Der Großteil der Bürokratie die ansteht, wird schnell und fokussiert an einem Ort erledigt, dem Rathaus. Wenn man sich Ingolstadt‘s Transportsystem anschaut, gibt es Züge und Autobahnen, die die Stadt gut mit Großstädten wie München verbinden. In Curitiba dagegen gibt es immer noch keine Züge. Trotzdem hat es dank seiner Busse eines der besten öffentlichen Verkehrssysteme in ganz Brasilien. Das Wetter hingegen ist vergleichbar. Aber mir wurde von Freunden schon erzählt, dass es in den Monaten Januar und Februar normalerweise noch kälter ist (eine Kälte, die ich noch gar nicht kenne). Aber in Ingolstadt besitzen alle Häuser, Geschäfte, Universitäten und Busse Heizungen, sodass es nur draußen auf den Straßen kalt ist.

Was ist für dich der größte Unterschied zwischen deiner Universität in Brasilien und der THI?
Wie die Stadt selbst: die Größe. Die THI hat ca. 5.000 Studenten, während die UFPR nahezu fünf Mal mehr hat. An der THI habe ich bemerkt, dass viele Industrien in die Universität und in Forschungsprojekte investieren, was wiederum die Bedingungen in den Laboren und der Universität verbessert. Dies ist etwas, was öfters auch bei der UFPR vorkommen sollte. Auch die Technologie an der THI finde ich interessant. Dass man den Studentenausweis als eine Art Kreditkarte verwenden kann und dass die Bücherei zum Teil 24h geöffnet hat. Was mir allerdings Angst gemacht hat, ist die Tatsache, dass es für jeden Kurs nur eine Klausur am Ende des Semesters gibt. An der UFPR gibt es für gewöhnlich 2-3 Tests über ein Semester verteilt. Auch das Benotungssystem ist ein anderes. Um gute Ergebnisse an der THI zu erlangen, muss deine Note zwischen 1 und 4 liegen, wobei 1 die beste Note ist. In der UFPR hingegen gibt es ein Benotungssystem von 1 bis 10, wobei 10 die Bestnote ist und 5 ein Bestanden.

Was sind deine Empfehlungen und Tipps für zukünftige Studenten, die nach Ingolstadt kommen?
Folge dem Leitfaden von AWARE. Suche auf jeden Fall schon von Brasilien aus nach einer Wohnung, denn dies ist sehr schwer. Du wirst sehen, dass es dir in Deutschland Zeit und Geld erspart. Es ist super, wenn du schon Deutsch sprichst. Falls nicht, belege einen Deutschkurs, auch wenn Ingolstadt eine internationale Stadt ist und du viel Englisch verwenden kannst. Aber Deutsch ist die höflichste Sprache, die ich kenne. Gehe zur Orientierungswoche, das ist ebenfalls sehr wichtig! Auch ein Praktikum zu machen, ist sehr interessant. Denke daran, dass viele deutsche Unternehmen auch in Brasilien sind (z.B. Audi oder Continental) und dass es ein großer Pluspunkt in deinem Lebenslauf ist, dort schon Erfahrungen gesammelt zu haben. Du kannst dich schon von Brasilien aus dafür bewerben. Falls es geht, habe Geldersparnisse für die Wochenenden, reise und genieße die Zeit! Deutschland ist wunderschön und da du in Europa bist, kannst du einfach auch andere Länder bereisen. Sei einfach neugierig und finde etwas mehr über die Kultur deiner Freunde raus. Es lässt dich wirklich wachsen! Und natürlich: lerne, denn es wartet eine Klausur am Ende des Semesters.

 

Andressa Ruviaro Almeida
Bachelorstudentin für Elektrotechnik mit Schwerpunkt auf Integrierte Elektronische Systeme an der University of Paraná (UFPR) in Curitiba.

Sie nahm am Austauschprogramm von AWARE teil und studierte im WS 2014 für 6 Monate an der THI.